Internetsucht

Macht Surfen süchtig?
Online-Umfrage zum Thema Internetabhängigkeit

Surfen im Worldwide Web kann wie eine Droge wirken. Nach einer Umfrage wurden von 1.000 lnternetnutzern fast 5% der befragten User als „süchtig“ eingestuft.

Von November 1999 bis März 2000 wurde eine Online-Befragung zum Internet- gebrauch durchgeführt. Dazu wurde ein Fragebogen auf der Homepage http://www.psychiater.org bereitgestellt und über Presse und Online-Service-Provider publik gemacht. Mit der Untersuchung sollten drei Fragen beantwortet werden:

• Genügen online gewonnen Daten wissenschaftlichen Qualitätskriterien?
•  Auf wie viele Teilnehmer treffen die Kriterien einer lnternetabhängigkeit zu?
•  Wie lassen sich diese charakterisieren?

In Anlehnung an das Abhängigkeitssyndrom ICD-10(Flx.2) wurden sechs Kriterien für Internetabhängigkeit definiert:

• Verlust der Kontrolle über die Zeit online
• starke Verlangen bzw. eine Art Zwang
• deutliche Entzugserscheinungen (z.B. starke Nervosität und Unruhe)
• deutliche soziale Probleme durch den Internetgebrauch (Partner, Arbeit, Schule)
• deutlicher sozialer Rückzug
• Fortführung des schädlichen Verhaltens trotz Bewusstsein der negativen Folgen.

Eine lnternetabhängigkeit liegt vor, wenn mindestens fünf der sechs Kriterien erfüllt sind. Das Signifikanzniveau wurde bei allen Ergebnissen auf 1 % gelegt.

lnternetabhängigkeit in 4,6 % der Fälle!

Insgesamt 2.341 Teilnehmer füllten den Fragebogen aus. Um die für eine wissenschaftliche Untersuchung gebotene Datenqualität zu gewährleisten, wurden alle Datensätze verschiedenen Überprüfungen unterzogen. 998 Datensätze konnten schließlich ausgewertet werden. Bei 46 Personen (4,6%) lagen mindestens fünf der sechs Kriterien und damit eine Internetabhängigkeit vor.

Die als abhängig diagnostizierten 46 Personen zeigten zahlreiche Aspekte, die einem Suchtkomplex ähnlich sind:

• Schuldgefühle durch den Internet- gebrauch
• Wunsch, vom Internet loszukommen
• vergebliche Versuche, die OnlineAktivitäten zu reduzieren
• körperliche und seelische Probleme, die auf den Internetgebrauch zurückgeführt werden
• rauschartige Gefühle beim Internetgebrauch
• Verheimlichung der Online-Aktivitäten sowie
• in der Vergangenheit pathologisches Computerspiel, Drogensucht oder andere Suchtformen.

 

Fazit:

Bei 4,6 % der Befragten wurde eine Internetabhängigkeit festgestellt. Symptome sind z.B. Schuldgefühle beim Surfen, der Wunsch, vom Internet loszukommen oder der „Rausch am PC“.

Ob Internetabhängigkeit als eigenständige Diagnose zu werten ist, kann aus den vorliegenden Daten nicht beurteilt werden. Eine ausführliche Abklärung wird derzeit mit Patienten an der „Münchener Ambulanz für lnternetabhängige“ vorgenommen.

 

Quellen:
NEUROTRANSMITTER 10-2000
Dr. med. Oliver Seemann
Psychiatrische Universitätsklinik
Nussbaumstr. 7
80336 München
Weitere Informationen online:
http:/www. psychiater.org